Berhane Asmelash saß wegen seines Glaubens an Jesus Christus elf Monate im Gefängnis. Bedrohungen, Beschimpfungen und Folter waren an der Tagesordnung. Statt mit seinem Schicksal zu hadern, nahm Berhane seine Haft demütig als von Gott gegeben an. Dem Herrn sang er Loblieder und den Gefangenen predigte er vom Reich Gottes – nach dem Vorbild von Richard Wurmbrand. Wurmbrands Zeugnis und sein Buch „Gefoltert für Christus“ inspirierten Berhane, Jesus treu zu bleiben.
Berhane war 18 Jahre alt, als er das Zeugnis von Richard Wurmbrand hörte. Das war im Jahr 1974. Damals gehörte seine Heimat Eritrea noch zu Äthiopien und kämpft e für seine Unabhängigkeit. Die beiden wichtigsten Befreiungsbewegungen waren stark marxistisch-kommunistisch ausgerichtet. Infolge innenpolitischer Unruhen kam es 1974 in Äthiopien zu einem Militärputsch: Die Monarchie wurde abgeschafft , die Kirche enteignet, oppositionelle Kräfte verfolgt und inhaftiert.
Im selben Jahr war HMK-Gründer Richard Wurmbrand auf Missionsreise in Eritrea. Der lutherische Pastor erzählte von seiner Zeit in den rumänischen Gefängnissen, wie er trotz der Folter an Jesus festhielt und seine Haft überstand – mit Gebet und Lobpreis. Bewegt von Wurmbrands Glaubensmut besorgte sich Berhane dessen Buch „Gefoltert für Christus“. „Als ich darin las, realisierte ich erst, welch hohen Preis die Nachfolge Jesu hat“, erzählt Berhane. Diese Begegnung mit Richard Wurmbrand prägte sein ganzes Leben. So bereitete Gott Berhanes Herz auf seine Berufung vor.
Berhanes Sternstunde
Als Berhane das Buch von Wurmbrand las, hatte er aber noch keine Beziehung zu Jesus. Für ihn, der mit gläubigen Eltern in Asmara, Eritreas Hauptstadt, aufwuchs, war der christliche Glaube aber nur Tradition – bis er eines Tages ein Buch las mit dem Titel „Dir gebe ich mein ganzes Leben“. Berhane erkannte, dass er ein Sünder war und übergab sein Leben Jesus. Damals arbeitete Berhane als Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Adi Keyh. Nach seiner Bekehrung erzählte Berhane voller Eifer das Evangelium jedem, dem er begegnete: seinen Kollegen im Krankenhaus, den Patienten, den Menschen auf der Straße – sogar den Polizisten und Soldaten. Doch das war ein Ärgernis für die kommunistischen Behörden. Sie sahen in Berhanes evangelistischem Eifer eine Gefahr für ihre Ideologie.
Berhane erkannte, dass er ein Sünder war und übergab sein Leben Jesus.
Ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte
Eines Abends, während Berhane gerade sein Abendgebet sprach, klopft e es an seiner Tür. Draußen standen vier Soldaten. Sie nahmen ihn mit und steckten ihn in eine Arrestzelle. Stattauf seine Unschuld zu pochen, sah Berhane darin Gottes Willen: „Ich bin hier, um euch die frohe Botschaft zu verkünden“, erzählte er den Gefangenen „Jesus Christus liebt euch. Er ist für eure Sünden gestorben.“ Drei Tage später wurde Berhane wieder freigelassen. „Monate später hörte ich, dass viele von den Insassen, denen ich das Evangelium gepredigt hatte, inzwischen hingerichtet worden waren“, erzählt Berhane. Die Nachricht bestätigte Berhane in seiner Berufung, den Menschen die frohe Botschaft zu bringen.
Bereit, für Jesus zu sterben
Doch mehrmals warnten Berhanes Freunde und Bekannte ihn wegen seiner evangelistischen Tätigkeit: „Die Kommunisten haben ein Problem mit deinem Glauben. Sie sagen, deine Religion kommt aus den USA.“ Aber Berhane antwortete ihnen nur: „Es ist mir egal, ob sie ein Problem damit haben oder nicht. Ich werde nicht aufhören, von Jesus zu reden. Ich bin bereit, für Jesus zu sterben. Paulus sagt im Philipperbrief: ‚Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn‘“.
„Bruder, ich bin gekommen, um dich zu verhaften!“
1980 wurde jeder Eritreer verpflichtet, an einem marxistischen Schulungsprogramm teilzunehmen. Berhane war damals 24 Jahre alt. In einem der Kurse mussten die Teilnehmer marxistische Slogans rufen wie „Nieder mit dem Kapitalismus! Es lebe der Marxismus!“. Als Berhane sich weigerte, den Chor zu leiten, hatte das fatale Konsequenzen. Sein Kursleiter führte es auf seinen christlichen Glauben zurück und leitete Schritte gegen ihn ein.
Wenige Wochen später wurde Berhane auf der Arbeit im Krankenhaus von einem Freund, der Polizist war, überrascht. Gutama war ein neu bekehrter Christ und besuchte den Hauskreis von Berhane. „Bruder, ich bin gekommen, um dich zu verhaften“, sagte Gutama. „Mach dich bereit, in einer Stunde komme ich wieder und bringe dich nach Asmara ins Gefängnis.“ „Gutama gab mir die Chance zu fliehen, aber ich blieb, weil ich mir sicher war, dass Gott einen Plan für mein Leben hatte“, sagt Berhane. Also packte er seine Bibel ein und ging für Jesus ins Gefängnis.

Dankbar, im Gefängnis zu sein
Im Gefängnis teilte sich Berhane mit 45 Menschen eine kleine Zelle. Alle wurden gefoltert, viele von ihnen hingerichtet – ohne die Möglichkeit eines Prozesses, ohne Verteidigung und ohne Urteil. Am elft en Tag seiner Haft holten zwei Gefängniswärter Berhane ab und sperrten ihn in einem Folterraum ein. Dann hängten sie ihn kopfüber an einer Stange auf. „Rede, oder wir prügeln alle Infos mit diesem Stock aus dir heraus! Du bist ein Spion! Für wen arbeitest du?“, schrien sie ihn an. Dann schlugen sie heft ig auf ihn ein.
Trotz der starken Schmerzen stimmte Berhane ein Loblied an. „Im gleichen Moment sah ich vor meinem inneren Auge, wie Jesus am Kreuz den qualvollen Tod für mich starb. Auf einmal wurde mein Leid ganz klein und unbedeutend. Ich spürte einen unbeschreiblichen Frieden und hörte auf zu singen“, erinnert sich Berhane. Weil Berhane den Gefängniswärtern auf ihre Fragen nicht antwortete, schlugen sie erneut so heftig auf ihn ein, dass sie ihm einen Knöchel brachen. Danach brachten sie Berhane zurück in seine Zelle. Dort kümmerten sich die anderen Gefangenen liebevoll um ihn.
Und Berhane erzählte ihnen von Jesu Liebe zu seinen Geschöpfen: „Ich war dankbar, im Gefängnis zu sein. Denn diese Gefangenen waren der Grund, warum ich eingesperrt war. Ihre Tage waren gezählt. Für mich war es klar, dass ich ihnen dienen sollte. Wer sonst hätte ihnen von der Gnade Gottes erzählt“, sagt Berhane. Also las er den Gefangenen aus der Bibel vor, sang Lobpreislieder mit ihnen und betete für sie. Wenn die Gefängniswärter ihm seine Bibel wegnahmen, schmuggelte eine seiner Schwestern erneut Bibeln ins Gefängnis. Die meisten Gefangenen hörten ihm zu; manche von ihnen gaben ihr Leben Jesus.
Neuer Dienst für verfolgte Christen
Nach elf Monaten Haft kam Berhane frei und kehrte zu seiner Familie zurück. Elf Monate hatte er unschuldig im Gefängnis gesessen und war gefoltert worden für Jesus. Die Gefahr, erneut im Gefängnis zu landen, hinderte ihn trotz seiner Erfahrung nicht daran, weiterhin von Jesu Botschaft zu reden. Fortan brachte er sich in seiner alten Heimatgemeinde ein. Er reiste im Land umher, um das Evangelium zu verbreiten, baute Waisenhäuser und half verfolgten und bedrängten Christen – bis er 1999 seine Heimat Eritrea verließ, um in London Theologie zu studieren. In der Zwischenzeit hatte Eritrea 1993 seine Unabhängigkeit von Äthiopien erlangt.
Stimme erheben für verfolgte Christen
Als sich 2002 erneut die politische Lage in Eritrea verschlechterte und damit auch die Situation von Christen im Land, gründete Berhane eine Hilfsorganisation. Gemeinsam mit anderen Christen versuchte er, die Welt auf die Missstände in Eritrea aufmerksam zu machen. Zahlreichen Christen konnte er helfen, aus den Gefängnissen freizukommen. So lernte Berhane von Richard Wurmbrand nicht nur, wie er selbst im Gefängnis ausharren konnte, sondern auch, als verfolgter Christ sich für verfolgte Christen einzusetzen.
Bitte beten Sie mit
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für die inhaft ierten Christen und ihre Familien in Eritrea, dass sie vom Herrn gestärkt werden, standhaft und treu zu bleiben.