Amal ist zweimal geflüchtet: das erste Mal zusammen mit ihren Eltern auf der Suche nach einem friedlicheren Leben. Das zweite Mal musste sie vor ihrer eigenen Familie fliehen. Denn Amal hat sich für ein Leben mit Jesus Christus entschieden – und bezahlt dafür einen hohen Preis.
Amal lebt zusammen mit ihrem Mann in einem Flüchtlingslager in Amman. Die Armut ist groß, denn als Flüchtlinge dürfen die beiden in Jordanien nicht arbeiten – es fehlt an Einkommen, an Sicherheit, oft sogar am Nötigsten zum Leben. Unser Partner vor Ort unterstützt sie und ihre Familie mit regelmäßigen Lebensmittelpaketen.
Geboren ist Amal im Gaza-Streifen. Ihre Familie ist streng muslimisch. Doch als die Situation dort immer schwieriger wurde, flohen ihre Eltern mir ihr, ihrem Mann und den Geschwistern nach Ägypten. Dort lernte ihre Schwester einen freundlichen Christen kennen und heiratete ihn. „Sie war danach wie verwandelt, voller Liebe, Frieden und Freundlichkeit“, beschreibt Amal die Veränderung ihrer Schwester. Das machte sie selbst und ebenso ihren Mann neugierig auf den neuen Glauben, den sie tagtäglich erlebten, weil sie zusammen mit Amals Schwester und deren Ehemann in einem Haus lebten.
Flucht durch den Hintereingang
Eines Tages sah Amal, als sie zufällig aus dem Fenster blickte, ihre Eltern und ihre Brüder auf ihr Haus zustürmen. „Ich ahnte, dass sie Schlimmes vorhatten“ erinnert sich Amal, „denn ich sah die Gewaltbereitschaft in ihren Gesichtern.“
Furcht ergriff sie. Sie suchte schnell ihren Mann. Von Angst getrieben flohen beide durch den Hintereingang aus dem Haus – aber die Zeit reichte nicht mehr aus, um ihre Schwester und deren Mann zu warnen. Während Amal und ihr Mann schon auf der Straße unterwegs waren, drangen ihre Eltern und Brüder in das Haus ein und töteten ihre Schwester und deren Mann brutal. Von da an wurde Amal klar: „Mit einer Religion, die zu so einem Mord führt, will ich nichts mehr zu tun haben.“
„Mit einer Religion, die zu so einem Mord führt, will ich nichts mehr zu tun haben.“
Amal und ihr Mann flohen nach Jordanien. Hier lernten die beiden weitere Christen kennen und nahmen Jesus Christus als ihren Herrn an. Sie leben bis heute in einem Barackenlager, das Leben ist schwer und es fehlt eigentlich an allem. Doch Amal klagte nicht, sondern begann in den Flüchtlingslagern vielen Frauen von Jesus zu berichten. Aber sie merkte, dass die Frauen ihr Fragen stellten, die sie ihnen nicht beantworten konnte. Dann traf sie einen afrikanischen Pastor, der sie in der Bibel unterrichtete. „Das war ein großer Segen für mich“, sagt sie dankbar. „Ich konnte selbst immer mehr in die Nachfolge als Christin hineinwachsen und den Frauen Hilfestellung beim Verstehen des Wortes Gottes geben.“
Ein Messer im Sonnenlicht
Ein paar Jahre später meldete sich ihre Mutter über Social Media plötzlich bei ihr. Sie wollte wieder Kontakt zu ihrer Tochter haben. Auch Amal wollte ihre Mutter wiedersehen. So machte sie sich auf den Weg nach Ägypten, um ihre Eltern dort zu treffen. Bei ihrer Ankunft am Roten Meer reihte sie sich an der Grenzkontrolle in eine lange Schlange ein. Während sie wartete, suchte sie mit den Augen die Menschenreihen ab, die auf die Ankömmlinge warteten. „Da sah ich sie“, erinnert sich Amal. „Da standen meine Mutter und mein Vater – ihre Gesichter waren voller Hass und ein Messer blitzte im Sonnenlicht in ihrer Hand auf.“ Der Schock und der Schmerz verschlugen ihr fast den Atem. Ihre eigene Mutter hatte sie in einen Hinterhalt gelockt. Amal zog ihren Schleier dichter um den Kopf und verschwand ungesehen aus der Schlange. Tief getroffen machte sie sich auf den Rückweg nach Jordanien.
Festhalten an der Verheißung
Der Schmerz ist bis heute groß. „Aber mein Glaube an Jesus Christus gibt mir jeden Tag die Kraft, die ich brauche“ sagt sie dankbar. Sie hat zwar ihre Eltern verloren, aber sie und ihr Mann erleben, wie die Gemeinschaft in der Gemeinde sie stärkt. „Jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meines Namens willen, der wird es hundertfältig empfangen und das ewige Leben erben“, sagt Amal. „An dieser Verheißung Jesu halte ich mich fest.“
Sie wusste, dass er kommen würde
Amira aus dem Sudan erlebte es auch, dass ihre Familie ihr nach dem Leben trachtete. Lange hatte Amira Angst vor diesem Moment. Bei jedem Klopfen an der Tür war sie zusammengezuckt. Wird es ihr Onkel, ein Scharia-Geistlicher aus Saudi-Arabien, sein? Wird es ihm gelingen, „die Schande“ auszulöschen, die Amira mit ihrem neuen Glauben an Jesus Christus über die Familie gebracht hat? Seit fast drei Jahren herrscht im Sudan Bürgerkrieg. Zehntausende Menschen sind getötet worden. In weiten Teilen des Landes ist die medizinische Versorgung zusammengebrochen, Hunger gehört für viele zum Alltag. Über acht Millionen Menschen sind auf der Flucht. Amira ist eine von ihnen.
Die junge Frau stammt aus einer sunnitischen Familie. Der Krieg vertrieb sie nicht nur aus der Heimat – sondern zerstreute auch Teile ihrer Familie in verschiedene Länder. Amira und ihr Mann selbst landeten in Jordanien, in einer Barackensiedlung am Rand von Amman. Ihr Cousin Tariq flüchtete nach Frankreich – und lernte dort Jesus Christus kennen.
Über die sozialen Medien teilte er seinen neuen Glauben mit Amira. Und Amira wollte ebenfalls mehr wissen und begann neugierig, online die Bibel zu lesen und sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. „Dass Jesus Christus uns für alle Ewigkeit errettet hat, veränderte mein Herz“, sagt sie.
Sie begann, in der Siedlung von ihrem neuen Glauben zu erzählen – leise, aber überzeugt. Anfangs war sie unsicher, wie ihr Mann und ihre Eltern reagieren würden. Schließlich galt der Abfall vom Islam als schwere Sünde. Aber ihre Befürchtungen trafen nicht ein – ihr Mann und ihre Eltern verstießen sie nicht, sie duldeten zunächst ihre Entscheidung und wandten sich schließlich selbst dem christlichen Glauben zu.
Bedrohung aus der Ferne
Nicht alle in der Familie akzeptierten diesen Schritt. Ein Onkel in Saudi-Arabien, ein Scharia-Gelehrter, erfuhr über soziale Medien von Amiras neuem Glauben. Für ihn war und ist es „eine Schande, die ausgemerzt werden muss.“ Er kontaktierte Amiras Eltern und ihren Ehemann. Doch alle drei stellten sich gegen ihn, da sie inzwischen selbst Christen geworden waren. Schließlich reiste der Onkel selbst nach Jordanien.
Sein Ziel: Amira zu töten. Amira wusste, dass er kommen würde. „Bei jedem Geräusch an der Tür zuckte ich zusammen“, erzählt sie. Als er schließlich vor ihr stand, schien sich ihre größte Angst zu erfüllen. Ängstlich öffnete sie die Tür nur einen schmalen Spalt, doch er drängte sich hindurch und stieß seine Nichte in die Mitte des Zimmers. Im nächsten Moment zückte er ein Messer. Amira zitterte: „Herr, hilf!“, betete sie inständig. Kaum hatte sie das Gebet gesprochen, erstarrte ihr Onkel. Dann drehte er sich um und ging – ohne ein Wort.
Leben im Verborgenen
Zurück in Saudi-Arabien fasste er einen neuen Plan und engagierte einen Auftragskiller. Als Amira davon hörte, verließ sie die Wohnung und zog zu einer Freundin. Von dort aus konnte sie ihr eigenes Haus beobachten. Eines Tages sah sie einen fremden Mann vor der Tür stehen. „Sein Gesicht sah böse und wild entschlossen aus“, sagt sie. Nach einiger Zeit verschwand der Mann wieder.
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden,“
Bitte beten Sie
für Amal, Amira und alle anderen verfolgten Christen in Jordanien um Schutz und Bewahrung sowie um Stärkung ihres Glaubens.
Ihr Onkel wird nicht aufgeben. Das weiß sie. Amira und ihre Familie sind inzwischen zum dritten Mal umgezogen. Als afrikanische Frau fällt sie in den Baracken von Amman auf und lebt in großer Angst, manchmal auch in Verzweiflung. Und doch bleibt sie ihrem Glauben treu. „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden,“ daran hält sie sich fest.
Unser HMK-Partner kümmert sich um Flüchtlinge in Jordanien, derzeit versorgt er 750 geflüchtete christliche Familien aus dem Sudan mit Grundnahrungsmitteln – unter ihnen auch Amal, Amira und ihre Familien.