Im Iran werden immer mehr Christen strafrechtlich verfolgt und zu langen Hafstrafen verurteilt – allein, weil sie ihren Glauben an Jesus leben oder weitergeben. In einigen Fällen verbüßen sie mehrere Jahre im Gefängnis, weil sie Hauskirchen leiten oder Bibeln besitzen. Viele der Betroffenen sind ehemalige Muslime, deren neugefundener Glaube an Jesus vom Regime als Bedrohung angesehen wird. Er gilt als Abfall vom Islam und kann mit dem Tod bestraft werden.
Die politische und wirtschaftliche Lage im Iran verschärft sich zunehmend. In diesem angespannten gesellschaftlichen Klima wächst auch der Druck auf Christen. Sie leben in ständiger Angst vor Überwachung, Verfolgung und Bestrafung. Und doch halten viele trotz aller Gefahr an ihrem Glauben fest – Christen, deren Geschichten so bewegend zeigen, wie ihr Glaube durch Leid, Verlust und Hoffnung geprägt wird.
Drei Schwestern begegnen Jesus – dem Weg zur Wahrheit
Tahmina wuchs mit ihren Schwestern Fariba und Farah im Westen des Iran in einer muslimischen Familie auf. Sie war die jüngste der drei. Eines Tages hörte ihre älteste Schwester Fariba die frohe Botschaft von Jesu. Seine Worte ließen sie nicht mehr los. Fariba wollte mehr wissen: Wer ist Jesus? Könnte er die Wahrheit sein?
Fariba begann intensiv in der Bibel zu lesen. Sie hatte Fragen über Fragen. Pastor Saiar, der ihr das Evangelium gepredigt hatte, versuchte, diese zu beantworten. Eines Tages besuchten Pastor Saiar und ein Glaubensbruder Fariba zu Hause. Als sie gemeinsam beteten, machte Fariba eine starke Glaubenserfahrung. Ihr Leben geriet in Bewegung.
Einige Tage später erzählte Fariba ihrer Familie von dieser Vision: „Mitten im Gebet sah ich vor meinem inneren Auge, wie ich mich taufen ließ. Deshalb habe ich mich entschieden, Jesus zu folgen“. Ihre Familie konnte zunächst wenig mit dieser Erfahrung anfangen. Farah und Tahmina lebten den Islam mit festen Ritualen: Beten, Fasten und Koranlesen. Ihre Ohren und Herzen blieben zunächst verschlossen, als Fariba ihnen von Jesus erzählte.
„Deshalb habe ich mich entschieden, Jesus zu folgen.“
Offene Herzen und neuer Lebensweg
Mit der Zeit begann sich etwas zu verändern. Fariba sprach immer wieder von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. Schließlich öffnete auch Farah ihr Herz für das Evangelium. Kurze Zeit später gab sie ihr Leben Jesus. Der Funke sprang schließlich auch auf Tahmina über. Sie fing an, den Gebetskreis ihrer Schwestern zu besuchen. „Ich war frisch verheiratet, kämpfte mit Depressionen und fühlte mich weit von Gott entfernt“, erinnert sich Tahmina. Bei einer christlichen Veranstaltung, zu der ihre Schwestern sie eingeladen hatten, entschied auch sie sich für Jesus.
Von da an beteten die drei Schwestern regelmäßig zusammen. Fasziniert von der Art und Weise ihres Lebens und ihrer Liebe kamen bald auch ihre Ehemänner zum Glauben. „Wir gründeten mehrere Hauskreise, luden Freunde, Verwandte und Bekannte ein und besuchten Konferenzen in der Türkei. So wuchsen wir im Wort und im Glauben“, erzählt Tahmina.
Verfolgung, Angst und staatliche Repression
Doch ihr Hauskreis blieb nicht unentdeckt. Jemand meldete ihre Treffen den Behörden. Eines Abends, während des gemeinsamen Gebets, stürmten Beamte die Versammlung. Sie beschlagnahmten Bibeln, Laptops und persönliche Dinge und nahmen alle Anwesenden mit aufs Revier. Farahs Ehemann Vahid wurde für eine Woche ins Gefängnis gesteckt. Die anderen wurden verhört, bedroht und gegen Kaution freigelassen. „Das war extrem belastend – wie ein Albtraum. Ich war im siebten Monat schwanger und Farah hatte gerade ein neugeborenes Baby“, erinnert sich Tahmina.
Auch Pastor Saiar, durch den sie alle nacheinander zum Glauben gefunden hatten, geriet ins Visier der Behörden. Da sie aber keine Beweismittel gegen ihn fanden, konnten sie ihn nicht festnehmen. Von da an standen sie unter ständiger Beobachtung. Sie mussten ihren Hauskreis einstellen, konnten das Evangelium nicht mehr weitergeben. Auch am Arbeitsplatz wurden sie unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Selbst Familienangehörige wandten sich aus Angst um ihren eigenen Ruf ab. Mehrfach versuchten die Familien, den Iran zu verlassen – doch alle Versuche scheiterten.
Zerschlagener Frieden und vorsichtiger Neuanfang
„Wir verkauften unsere Häuser und zogen aus Sicherheitsgründen mehrmals um“, erzählt Tahmina. Dennoch hielten sie im Verborgenen weiterhin Gebetstreffen ab. Das ständige Umziehen und ein Leben in Angst zehrten an ihren Kräften. „Wir hielten zwar an Jesus fest, doch unseren Frieden hatten wir verloren“, so Tahmina. „Der Druck führte zu Spannungen, die sich auf unsere Ehen und unsere Gemeinschaft auswirkten.“
Jahre später, während der weltweiten Coronapandemie, kehrten sie in ihr Heimatdorf zurück, wo sich bessere Arbeitsmöglichkeiten boten. Ihre frühere Hauskirche existierte zwar nicht mehr, doch Gott öffnete eine neue Tür. Sie fanden Anschluss an eine Gemeinde und erfuhren geistliche Begleitung durch andere Christen. „Für uns war das ein großer Segen in dieser schweren Zeit“, sagt Tahmina.
Leben mit anhaltender Angst und neuer Hoffnung
Die Angst vor einer erneuten Festnahme ist bis heute geblieben. Vahid arbeitet im staatlichen Sektor und wird regelmäßig vorgeladen. Sein Arbeitgeber überprüft, ob er an christlichen Aktivitäten beteiligt ist. Dieser anhaltende Druck und die Unsicherheit belasten das Familienleben stark.
Und dennoch bleibt Hoffnung: „Wir beten, dass wir wieder so brennend im Glauben werden wie am Anfang. Unsere Sehnsucht ist, dass diese Angst der Kraft und Freiheit in Jesus weicht“, sagt Tahmina.
Auch Ebi und Mahsa haben einen langen Weg des Glaubens und Leidens hinter sich. Vor 15 Jahren gaben sie ihr Leben Jesus. „Zwei Jahre später weihten wir unser Leben auf einer Konferenz in der Türkei erneut Jesus“, erzählt Mahsa. Zurück im Iran verkündeten sie voller Eifer das Evangelium. Viele Familienmitglieder und Freunde fanden zum lebendigen Glauben an Jesus. In einem Kellerraum ihrer Mutter feierten sie ihre Gottesdienste – voller Wunder, voller Freude, ohne Furcht.
Doch dann wurden sie zur Zielscheibe von Angriffen. Eine Bekanntschaft wurde ihnen zum Verhängnis: Auf einer Konferenz in der Türkei erhielten sie die Telefonnummer einer angeblichen Christin, die Hilfe brauchte. „Mein Betreuer warnte mich, aber ich hörte nicht auf ihn“, erinnert sich Mahsa. Nach ihrer Rückkehr in den Iran wurden Mahsa und ihr Mann verhaftet – auch viele andere aus ihrem Umfeld.
Gefangenschaft, Folter und zerbrochenes Leben
Zwar kamen sie wieder frei. Doch die Behörden behielten sie im Auge. Am 18. November 2014 stürmten Beamte mehrere Häuser: Ebi und Mahsa wurden erneut verhaftet. Tage in Einzelhaft folgten, begleitet von Verhören sowie psychischer und körperlicher Folter. Nach ihrer Freilassung war nichts mehr wie zuvor. Ihre Beziehungen zerbrachen, Gerüchte verbreiteten sich und Mahsa verlor ihre Arbeit. Gerichtliche Strafen, Druck, Angst und gesundheitliche Folgen bestimmten ihr Leben. „Manchmal dachte ich, es sei das Ende meines Lebens. Ich hatte Angst, dass die Behörden jeden Moment kommen und mich töten würden. Ich wurde richtig krank und litt unter vielen psychosomatischen Symptomen“, sagt Mahsa.
Von lähmender Angst zu neuer Freiheit
Trotz aller Strapazen blieb Mahsa fest an Jesus dran. Sie begann, wieder zu beten und Gottes Wort zu lesen. Schritt für Schritt überwand sie die Angst. Durch Gebete und Gemeinschaft fand sie Kraft und inneren Halt. Auch Tahmina und ihre Schwestern erleben, dass sie in einer Zeit großer Bedrängnis im Glauben wachsen können. Ihre Zeugnisse zeigen: Der Glaube bleibt auch unter Druck lebendig. Jesus trägt durch Verlust, Verfolgung und Angst.
Bitte beten Sie
für unsere Glaubensgeschwister im Iran, dass sie in dieser schweren Zeit nicht den Mut verlieren, Jesus treu nachzufolgen und trotz der schlimmen Zustände im Land ihren inneren Frieden behalten.