Corinto im Departement Cauca im Süden Kolumbiens gehört zu den „roten Zonen“ des Landes. Guerillagruppen, kriminelle Netzwerke und paramilitärische Organisationen kämpfen hier um Macht und Kontrolle, während der Staat kaum präsent ist. Gewalt, Einschüchterung und Armut prägen den Alltag – besonders für Kinder. Inmitten dieser Realität leitet Mary eine christliche Schule. Doch Christen sind hier gefährdet, weil sie sich oft gegen Gewalt, Drogenhandel und Korruption stellen.
Mary stammt aus dem Volk der Páez. In ihrer Kindheit kamen Missionare in ihr Dorf, übersetzen die Bibel in ihre Muttersprache und gründeten eine kleine christliche Schule – ein Ort der Hoffnung, auch für sie. Mit 15 Jahren traf Mary die Entscheidung ihres Lebens: Sie nahm Jesus Christus als ihren Herrn an. „Wir haben damals ein Lied gesungen“, erinnert sie sich. „Blühe dort, wo du gepflanzt bist.“ Damals ahnte Mary nicht, dass genau dieser Satz viele Jahre später zu ihrer Lebensaufgabe werden würde.
Licht in der Dunkelheit
Als die Sicherheitslage sich verschlechterte, verließen die Missionare die Region. Mary hätte ebenfalls gehen können, doch sie blieb. „Ich wollte, dass es hier weiterhin einen Ort der Hoffnung gibt, besonders für junge Menschen“, sagt sie.
In einer Umgebung, in der Kinder oft schon mit elf Jahren von kriminellen Gruppen rekrutiert werden, übernahm Mary Verantwortung. Heute ist sie Direktorin der Schule, in der sie selbst Schülerin gewesen war und betreut rund 250 Kinder. „Wir sind wie ein Licht mitten in der Dunkelheit. Viele Kinder kennen nur Angst. Wir wollen ihnen Leben, Hoffnung und Freude geben“, sagt Mary. „Denn Jesus ist die einzige Antwort auf unsere Schwierigkeiten.“
In Regionen wie Cauca geraten gerade christliche Leiter häufig unter Druck. Wer gezielt das Evangelium weitergibt, wird schnell zur Zielscheibe. Trotz Bedrohung lässt sich Mary nicht von Angst bestimmen. Sie möchte Hoffnungsträgerin für die nächste Generation sein.
„Wir sind wie ein Licht mitten in der Dunkelheit. Viele Kinder kennen nur Angst. Wir wollen ihnen Leben, Hoffnung und Freude geben“
Ströme lebendigen Wassers
Neben der Gewalt belastet ein weiteres, lange unterschätztes Problem die Region: verschmutztes Trinkwasser. Durch Chemikalien aus illegalen Drogenlaboren sind viele Wasserquellen verseucht. Krankheiten wie Hautinfektionen und Magenprobleme und auch chronische Beschwerden sind weit verbreitet. „Viele hatten sich schon damit abgefunden, aber ich habe gesehen, wie sehr die Menschen darunter leiden“, sagt Mary.
Eine Wende kam mit den tragbaren Wasserfilter, die ein Projektpartner bereitstellt. Was zunächst wie einfache Hilfe wirkte, veränderte vieles. Mary nutzte die Filter zuerst für die Schule, begann dann aber, sie auch in entlegene und teils von bewaffneten Gruppen kontrollierte Gebiete zu bringen. „Diese Wasserfilter sind wie ein Schlüssel. Sie öffnen Türen“, erklärt sie. So gewann sie Zugang zu indigenen Gemeinschaften. „Ich konnte das Vertrauen und die Herzen der Menschen für mich gewinnen. Wir bringen nicht nur sauberes Wasser, sondern Gottes Wort zu den Menschen.“
Trotz Bedrohungen bleibt Mary mit ihrem Team standhaft. Die Schule besteht weiter und ist zu einem Symbol für Hoffnung und Veränderung geworden. Ihre Arbeit wirkt über die Schule hinaus: Kinder erhalten sauberes Wasser, Familien konkrete Hilfe, Gemeinschaften beginnen sich zu verändern durch die Kraft des Evangeliums. Was ein Ort der Angst war, ist noch immer gefährlich, aber nicht mehr hoffnungslos. „Gott hat mich aus einem bestimmten Grund hier hingestellt und durch seine Gnade werde ich hier weiter dienen“, sagt Mary. „Wir teilen nicht nur unser sauberes Wasser, sondern auch die Liebe Jesu mit den uns feindlich gesinnten Mitmenschen und Dorfgemeinden hier in der Region. Wir danken Jesus für alle Glaubensgeschwister weltweit, die uns dabei unterstützen.“
Von der Guerilla zu Gott
Auch Sara dient dem Herrn in der sogenannten „roten Zone“. Und auch sie versucht, die Kinder von klein auf für Jesus zu gewinnen, ihnen eine Hoffnung und eine Perspektive zu schenken. Sara selbst geriet als Teenager auf die falsche Bahn. Sie floh vor der Gewalt in ihrer Familie in die Arme der Guerilla. Sie glaubte, dass die Guerilla für Gerechtigkeit kämpfte und fühlte sich dort zum ersten Mal gesehen und gebraucht. Sara durfte die verletzten Kämpfer der Gruppe medizinisch versorgen, obwohl sie keine medizinische Ausbildung hatte.
Doch mit der Zeit erkannte Sara die dunkle Seite der Guerilla. Diese verfolgte auch gezielt unschuldige Christen. Eines Tages töteten Kämpfer aus ihrer eigenen Gruppe mehrere Pastoren ohne Grund. Ein anderes Mal erlebte sie, wie die Kämpfer christliche Familien gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben.
Vier Jahre lang blieb Sara bei der Guerilla. Während dieser Zeit kamen einige ihrer Geschwister und Verwandten zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Als Saras Mitkämpfer davon erfuhren, reagierten sie misstrauisch. Sie verlangten von ihr, ihre Familie öffentlich zu verurteilen und sich gegen deren Glauben zu stellen. Plötzlich stand Sara unter massivem Druck. Schließlich verließ sie die Guerilla.
Nach ihrem Ausstieg begann für Sara ein völlig neuer Lebensabschnitt. Sie heiratete und bekam ein Kind, während ihre christlichen Verwandten weiterhin für sie beteten. Mit 23 Jahren entschied sie sich für Jesus. „Gott hat mir einen Frieden ins Herz gelegt, den ich vorher nicht kannte“, erzählt sie. Rückblickend erkennt sie, wie Gott sie aus den schwierigen Umständen herausgeführt hat. Ihre Umkehr weckte in ihr den Wunsch, ihm mit ihrem Leben zu dienen.
Neuer Dienst, neue Mission
Heute haben Sara und ihr Mann Antonio vier Kinder. Gemeinsam verfolgen sie eine klare Mission: Sie wollen Menschen von Jesus erzählen und besonders Kinder vor dem Einfluss krimineller Banden schützen. Dabei sprechen sie mit Familien, Studenten und sogar mit Guerillakämpfern. Sara kennt dieses Leben aus eigener Erfahrung und weiß, wie schwer es ist, da auszubrechen.
Für die Kinder nutzt sie eine Art Comic-Bibel. „Das Evangelium erreicht die Menschen mitten in ihrem Leben und kann sie tief verändern“, erklärt Sara. Oft beginnen auch Eltern zu lesen, besonders jene, denen lange Texte wie in der Bibel schwerfallen. Dann melden sie sich bei Sara und wollen mehr über Jesus wissen.
Doch ihr Einsatz bleibt nicht ungefährlich. Guerillagruppen beobachten ihre Arbeit. 2018 eskalierte die Situation: Kämpfer drohten, ihre älteste Tochter zu entführen und zwangsweise zu rekrutieren, falls Antonio seinen Dienst nicht beenden würde. Die Familie wurde aufgefordert, die Region sofort zu verlassen. „Ich war in einer schweren Krise und hatte große Angst um unsere Tochter“, erinnert sich Sara. Schließich flohen sie an einen sicheren Ort.
Hoffnung weitergeben
Trotz allem geben Sara und Antonio ihren Dienst nicht auf. Auch heute erzählen sie weiterhin Menschen von ihrem Glauben und verteilen Bibeln. In ihrem neuen Heimatdorf verdient Sara ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Arepas, einem traditionellen kolumbianischen Maisfladen. „Das ist ein großer Sgen“, sagt sie. „Während ich Arepas zubereite und verkaufe, komme ich mit Menschen ins Gespräch und kann ihnen vom Evangelium erzählen.“ So bleibt ihre Familie ein Zeugnis der Hoffnung mitten in Unsicherheit und Gefahr.
Bitte beten Sie,
für dieses Wasserprojekt in Kolumbien, dass es zur Quelle lebendigen Wassers für die durstigen Menschen wird.