Die Kirche wächst mächtig weiter

Kuba Aufmacher 26

Als die kommunistische Revolution 1959 in Kuba ihren Sieg mit dem Umsturz der bisherigen Regierung feierte, war Pastor Manuel Antonio fünf Jahre alt. Später war er viele Jahre lang verantwortlich für einen großen Gemeindebund. Auf der Konferenz „Christenverfolgung heute“ im Christlichen Gästezentrum Schönblick, Schwäbisch Gmünd, konnten wir mit ihm reden.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

ch wuchs in einer christlichen Familie auf und war schon als Kind mit meinen Eltern in der Kirche. Ich war mit christlichen Prinzipien vertraut, aber in meiner frühen Jugendzeit entfernte ich mich von Gott. Meine Mutter wusste das und lud mich deshalb eines Tages zu einer Evangelisationsveranstaltung in einer kleinen Kirche ein. Erst wollte ich eigentlich nicht dahin, ging dann aber doch. Während der Predigt war es so, als spräche Gott direkt in mein Herz. Ich wehrte mich, aber der Herr zerbrach meinen Stolz. In dieser Nacht verbrachte ich lange Zeit auf den Knien im Gebet, bat um Vergebung und nahm Gottes Ruf an. Dort begann mein neues Leben mit Jesus Christus.

„Während der Predigt war es so, als spräche Gott direkt in mein Herz. Ich wehrte mich, aber der Herr zerbrach meinen Stolz. “

Wie war deine Schulzeit während der Jahre nach der Revolution?

In allen Bildungseinrichtungen Kubas begann jeder Unterrichtstag mit einer politischen Ideologie-Stunde. Wir mussten alle strammstehen. Oft wurden wir Kinder christlicher Eltern öffentlich als „Feinde der Revolution“ bezeichnet. Der Glaube wurde als „Opium des Volkes“ verspottet. Wir wurden vor Hunderten Mitschülern bloßgestellt, beleidigt und bedroht. Uns wurde gesagt, wir kämen ins Gefängnis oder unser Leben würde zerstört werden – und das schon im Grundschulalter! Es war traumatisch. Doch meine Mutter ermahnte uns jeden Morgen unter Tränen und mit einer festen Umarmung: „Verleugnet den Herrn nicht, denn wenn ihr ihn verleugnet, wird er euch verleugnen.“ Das hat uns stark gemacht. Und Gott sei Dank – wir blieben standhaft.

Wie sah das Leben für euch als Familie aus?

Nach dem Sieg der kommunistischen Revolution mussten innerhalb einer Woche alle Missionare Kuba verlassen. In unserem Fall waren es amerikanische Missionare. Ihre Gemeinden wurden geschlossen, die Kirchengebäude beschlagnahmt oder zerstört. Unser Kirchengebäude wurde eingerissen und zu einer Müllhalde umfunktioniert. Alle Bibeln wurden konfisziert viele zerrissen oder verbrannt. Nur eine Bibel konnte meine Mutter verstecken. Einmal in der Woche gingen wir nachts, ohne Licht, fast einen Kilometer weit in den Wald. Dort trafen sich die verbliebenen Christen. Meine Mutter war eine der Leiterinnen. Mit leiser Stimme lasen wir die Bibel und beteten, alles im Schein eines schummrigen Kerosinlichts. Das waren unsere ersten Erfahrungen der Verfolgung.

Kuba Artikel 26

Gibt es eine Bibelstelle, die dich in diesen Zeiten besonders ermutigt hat?

Es gibt viele. Eine ist die Verheißung Jesu: „Die Pforten der Hölle werden die Gemeinde nicht überwältigen.“ (Matthäus 16,18). Und eine andere, die mich immer begleitet hat: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33). Diese Worte haben mir unzählige Male Kraft gegeben.

Wie ist die Situation in Kuba heute?

Seit 66 Jahren leben wir mit vielen subtilen Formen von Verfolgung. Der kubanische Staat und ausländische Behörden behaupten, es gebe keine Verfolgung, aber das stimmt nicht. Auch heute noch werden Pastoren verhaftet, vor Gericht gestellt und eingeschüchtert. Erst vor kurzem wurde ein befreundetes Pastorenehepaar bedroht, weil sie sich für ihren Sohn im Gefängnis eingesetzt hatten. Der Druck war so groß, dass sie befürchteten, er könne ihm im Gefängnis nicht standhalten und entweder durch die unmenschliche Situation dort sterben oder auf Grund der angedrohten Strafen sich selbst das Leben nehmen. Viele Leiter werden massiv unter Druck gesetzt – man droht ihnen mit Strafen, Geldbußen, Prügeln, aber auch, dass ihre Familien einen Unfall erleiden könnten, wenn sie nicht schweigen würden, man wisse genau, wo ihre Kinder zur Schule gingen.

Was gibt dir trotz dieser Umstände die Kraft, Jesus treu zu bleiben? Wie kann man überhaupt unter so viel Druck und Zwang standhaft bleiben?

Menschlich gesehen ist das natürlich unmöglich. Ich habe über 60 Jahre in Kuba gelebt, das gesamte kommunistische System miterlebt – mit all seiner Ungerechtigkeit und Lüge. Viele Male wäre ich lieber woanders aufgewacht. Aber ich wusste: Gott hat mich dort hingestellt. Ich habe gesehen, wie Leben verändert wurden und wie selbst Mitglieder der Kommunistischen Partei und Militärs zu Christus fanden und heute treue Pastoren sind. Das hat mich getragen. Ein Lied, das ich seit meiner Kindheit kenne, sagt: „Inmitten der Prüfungen geht die Kirche in Herrlichkeit weiter. Nichts kann sie aufhalten.“

Du lebst heute nicht mehr in Kuba, reist aber regelmäßig dort hin. Ist das gefährlich?

Ich wollte nie aus Kuba weggehen. Meine Familie und meine Gemeinde sind noch dort. Es war kein Akt der Angst, sondern ein Auftrag Gottes. Ich spürte, dass der Herr mich berufen hatte, Missionare und Gemeinden auch in anderen Ländern zu ermutigen. Jetzt arbeite ich von den USA aus und bin im ständigen Kontakt zu den Geschwistern in Kuba. Bei meinen Besuchen sagen mir manche: „Vielleicht wirst du das nächste Mal nicht wieder ausreisen dürfen.“ Ich weiß, dass ich in Kuba eine Strafakte habe – wegen sogenanntem „zivilen Ungehorsam“ und „illegaler Versammlungen“. Der Grund, warum ich bisher noch nicht verhaftet wurde, ist die Möglichkeit, noch mehr Druck auszuüben: „Du weißt, wir können dich jederzeit ohne Gerichtsurteil hinter Gitter bringen. Pass auf, was du tust und was du im Ausland von Kuba erzählst!“ Aber ich betrachte diese Art der Verfolgung eher als eine Ehre, nicht als Schande.

Wie erlebst du dein Heimatland heute?

Jeder Besuch berührt mich tief. Als wir Kuba verließen, haben meine Frau und ich viel geweint. Unser Herz ist immer noch dort. Hier im Ausland geht es uns materiell besser, aber unser Zuhause ist Kuba. Bei jedem Besuch sehe ich: Die Kirche wächst mächtig weiter. Der Herr ruft viele Männer und Frauen in seine Nachfolge, die trotz aller Nachteile ihm treu dienen. Das stärkt meinen Glauben, wenn ich sehe, wie der Herr seine Gemeinde vorbereitet, trotz aller Unterdrückung mutig voranzugehen.

„Die Kirche wächst mächtig weiter. Der Herr ruft viele in seine Nachfolge“

Was würdest du Christen hier in Europa sagen?

Ich glaube, dass es eines Tages überall auf der Welt Verfolgung geben wird – auch in Europa. Nach langen Jahren des Wohlstands und der Bequemlichkeit wird wieder eine Zeit der Prüfung kommen. Deshalb sage ich: Bereitet euer Herz vor, um treu zu bleiben. Treue ist keine menschliche Fähigkeit – Gott kann uns aber dazu befähigen. Er wählt nicht die Starken, sondern die Schwachen, die Verachteten, um seine Kraft zu zeigen. Wenn du schwach bist, aber Gott liebst, wird er dich stärken. Das Feuer der Prüfung zerstört dich nicht – es läutert dich und macht dich zu dem Christen, der du sein sollst.

Wie könnten wir uns am besten auf Verfolgung vorbereiten?

Das Wichtigste ist die persönliche innige Beziehung zu Gott. Nicht nur sonntags, nicht nur bei besonderen Veranstaltungen. Jesus sagt: „Bittet und euch wird gegeben; sucht und ihr werdet finden.“ Wenn wir Gott nicht täglich suchen, werden wir seine Gegenwart auch in der Krise nicht erfahren. Aber wer ihn sucht, findet ihn: „Wer anklopft, dem wird aufgetan“! Diese tägliche Nähe zu Gott bereitet uns auf jede schwierige Zeit vor. Gott sucht heute Männer und Frauen, die in dieser großen Nähe zu ihm leben.

Bitte beten Sie

für die Christen in Kuba, dass sie in ihrer Bedrängnis treu und standhaft bleiben und immer wieder das Eingreifen Gottes erleben.

Wofür können wir für Christen in Kuba beten?

Es fehlt an so vielem, vor allem an Essen und Medikamenten. Täglich fällt der Strom für viele Stunden aus. Es gibt fast keinen Treibstoff mehr, und der öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen. Aber das Wichtigste ist: Betet, dass Gott uns hilft, treu zu bleiben. Denn wenn wir treu sind, sorgt er für alles andere. Unsere Treue kommt nicht aus uns selbst, sondern aus seiner Gegenwart, die uns stärkt standzuhalten.

Abzugsfähigkeit

Gut zu wissen

  • Ihre Spende an den Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. können Sie steuerlich geltend machen.
  • Insgesamt gilt dies für von Ihnen geleistete Spenden bis zu einer Höhe von 20 % des Gesamtbetrags Ihrer Einkünfte; sie sind steuerlich als Sonderausgaben abzugsfähig.
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  • Wir sind wegen Förderung religiös Verfolgter, gemäß § 52, Abs. 2, Satz 1, Nr. 02 und 10 AO, nach dem letzten uns zugegangenen Freistellungsbescheid des Finanzamtes Wetzlar StNr. 39 250 61402, vom 25.09.2023 für das Jahr 2022 nach § 5, Abs. 1, Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes von der Körperschaftssteuer und nach § 3, Nr. 6 des Gewerbesteuergesetzes von der Gewerbesteuer befreit.

Spendengrundsätze

Transparenz ist wichtig

  • Die Hilfsaktion Märtyrerkirche finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Der Verein erhält weder öffentliche Fördergelder noch sonstige Drittmittel.
  • Als gemeinnütziger Verein unterliegt die Hilfsaktion Märtyrerkirche der Prüfung durch das zuständige Finanzamt. Darüber hinaus betraut der Vorstand regelmäßig einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung des Jahresabschlusses, der ein entsprechendes Testat ausstellt.
  • Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat die HMK mit „geprüft und empfohlen“ ausgezeichnet.
Selbst Zeuge Sein

Selbst Zeuge sein

Die HMK veröffentlicht persönliche Erlebnisse verfolgter Christen. Denn sie berichten von der Gnade Gottes. Dadurch werden Christen im Westen zu Hingabe in der Nachfolge Jesu und zum eigenen, mutigen Zeugnis herausgefordert.

Verfolgung Biblisch Einordnen

Verfolgung biblisch einordnen

Die Erfahrungen verfolgter Christen und ihr Zeugnis lassen uns einen neuen und klareren Blick auf biblische Wahrheiten gewinnen. Wir lernen von den Verfolgten, dass Leiden zum Christsein gehört, weil auch Jesus gelitten hat. Wir sehen, wie Gott in diesem Leiden trägt.

Die biblische Sicht von Verfolgung wollen wir als Herausforderung und Ermutigung im deutschsprachigen Raum weitergeben.

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Die Hilfsaktion Märtyrerkirche unterstützt mit den Spenden, die ihr anvertraut werden, weltweit Projekte zur Hilfe für verfolgte Christen. Sie arbeitet dabei zusammen mit Partnern vor Ort.

Bereiche der Projektarbeit sind Soforthilfe, Überlebenshilfe, Medizinische Hilfe, Kinderhilfe, Wiederaufbau, Rechtsbeistand, Ausbildung, Evangelisation und Hilfe zur Selbsthilfe.

Mission Staerken

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Die HMK stärkt die missionarischen und diakonischen Bemühungen verfolgter Christen. Dadurch ermöglichen wir Christen in Bedrängnis, anderen in Wort und Tat die Liebe Christi zu zeigen – manchmal auch ihren Verfolgern.