Am 21. November 2025 stürmten bewaffnete Angreifer das Gelände eines christlichen Internats im Norden Nigerias. Sie töteten einen Sicherheitsmann und verschleppten mehr als 300 Schüler sowie 12 Lehrkräfte aus der St. Mary’s School im Bundesstaat Niger. Die Schüler waren zwischen 10 und 18 Jahren alt.
Noch am selben Wochenende gelang es 50 Schülern zu fliehen. Sie befreiten sich auf eigene Faust und kehrten zu ihren Familien zurück. Die Entführung löste in Nigeria große Besorgnis aus. Sämtliche Schulen und Universitäten stellten den Unterricht ein, es herrschte allgemein starke Verunsicherung. Das Ereignis erinnerte die Bevölkerung an die Verschleppung von 276 Mädchen aus einer Schule im nigerianischen Chibok vor zehn Jahren. Von einigen dieser Mädchen fehlt bis heute jede Spur. Seit Jahren greifen immer wieder schwer bewaffnete kriminelle Banden, vor allem islamistische Gruppen, christliche Dörfer an.
Verzweiflung und Forderungen
Am 31. Oktober 2025 griffen Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram die christliche Gemeinde in Pemi an. Eine Kirche wurde dabei zerstört. Außerdem brannten sie Häuser und Geschäfte nieder. Tabitha Joel, ein Mitglied der Gemeinde, bat die nigerianische Regierung um Hilfe: „Wir haben Angst, wir sind dringend auf Hilfe angewiesen. Frauen trauern um ihre Männer und Kinder wachsen ohne Eltern auf.“ Auch Jacob Pindar, ein weiterer Bewohner, äußerte seinen Unmut: „Wir haben genug von leeren Versprechungen. Wir verlangen sofortige, konkrete Maßnahmen von unserer Regierung, um dieser sinnlosen Gewalt ein für alle Mal ein Ende zu setzen.“
Viele Christen im Norden Nigerias fühlen sich vom Staat im Stich gelassen. Kritiker werfen den Politikern des Landes vor, Christen nicht ausreichend vor Angriffen zu schützen. Die nigerianischen Behörden weisen diese Vorwürfe zurück. Sie betonen, es gebe keine gezielte Christenverfolgung im Land.
„Wir haben Angst, wir sind dringend auf Hilfe angewiesen. Frauen trauern um ihre Männer und Kinder wachsen ohne Eltern auf.“
Kritiker werden zur Zielscheibe von Hass und Hetze
Alle, die sich öffentlich gegen die Angriffe islamistischer Extremisten auf Christen aussprechen und Kritik an der Untätigkeit der Politik äußern, laufen Gefahr, bedroht zu werden. Pastor Ezekiel Dachomo aus dem nigerianischen Bundesstaat Plateau hatte von einem Genozid an Christen gesprochen. Gleichzeitig kritisierte er die nigerianische Regierung dafür, dass sie diesen Genozid leugne. Er warf zudem dem Militär vor, nicht konsequent gegen bevorstehende Angriffe vorzugehen. Seit diesen öffentlichen Aussagen ist er massiven Drohungen ausgesetzt. Er erhält täglich Todesdrohungen per Telefon, SMS und über soziale Medien.
Der Wettlauf der Terroristen
Die beschriebenen Übergriffe sind nicht die einzigen Gewalttaten dieser Art in Nigeria. Immer wieder werden christliche Dörfer zur Zielscheibe islamistischer Gruppen. Militante Islamisten töten jedes Jahr Tausende Christen. Sie plündern christliche Häuser und eignen sich Haushaltswaren, Nahrungsmittel und Handelsgüter an. Nach Aussagen von Beobachtern befinden sich die militanten Fulani in einer Art „Terror-Wettstreit“ mit der islamistischen Boko Haram.
Pastoren im Visier der Islamisten
Nigeria zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Christen. Besonders Pastoren und Gemeindeleiter sind häufig Ziel von Mordanschlägen. Reginas Ehemann Danbaki war von ganzem Herzen Pastor und Missionar. Er fühlte sich von Gott berufen, mit seiner Familie in den Nordwesten Nigerias zu ziehen, um den Menschen dort die frohe Botschaft von Jesus zu bringen.
Am 14. Juni 2022 griffen militante Islamisten Reginas und Danbakis Wahlheimat an. Sie töteten Dutzende Menschen. Regina und ihr Mann versuchten, gemeinsam zu fliehen. Doch die Islamisten holten sie ein. Vor den Augen von Regina erschossen sie Danbaki. Anschließend ergriffen sie Regina, die ihren kleinen Sohn Joshua auf dem Rücken trug, und schlugen heftig auf sie ein. Halbtot ließen sie sie zurück. Regina überlebte schwer traumatisiert. Seitdem trauert sie um ihren geliebten Mann und kümmert sich allein um die drei gemeinsamen Kinder. Sie sagte später: „Jedes Mal, wenn ich mich an die Tötung meines Mannes zurückerinnere, schmerzt es mich. Auch wenn man vergibt, ist es nicht so leicht zu vergessen. Gott arbeitet immer noch an meinem Herzen.“
Auch für Lydia begann der Tag voller Freude und endete voller Grauen. Sie verkaufte Tomaten am Straßenrand, als plötzlich militante Islamisten ihr Dorf überfielen. Als die ersten Schüsse fielen, lief sie los und versteckte sich in einem Busch. Unter Schock vergaß sie, ihr jüngstes Kind mitzunehmen. Später fand ein Pastor ihren Sohn und brachte ihn sicher zu ihr zurück.
Als Lydia in ihr Dorf zurückkehrte, fand sie ihren Ehemann tot auf. Ihr Haus war völlig niedergebrannt. Sie fühlte sich, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Ihr Schmerz war unermesslich. Sie erinnert sich an diesen Tag als den schrecklichsten ihres Lebens und sagt: „Ich konnte nicht aufhören zu weinen.“
Vergebung nur durch Gott möglich
Regina und Lydia hatten ein gebrochenes Herz. Dann nahmen beide an einem Seminar für traumatisierte Frauen teil. Dort konnten sie ein Stück Heilung und Wiederherstellung erfahren. „Als ich hierher kam, sah ich das Leben aus einer neuen Perspektive. Ich lernte, wie man wirklich vergibt. Je mehr ich die Bibel las, desto mehr verstand ich, was wahre Liebe und wahre Vergebung sind. Ich konnte endlich vergeben“, sagte Lydia.
Beten Sie mit
für die Glaubensgeschwister in Nigeria. Beten Sie darum, dass sie vor weiteren Attacken bewahrt bleiben. Und bitte beten Sie dafür, dass die entführten Schüler freikommen und dass die Herzen undLeben der Traumatisierten wiederhergestellt werden.