Pastor Thongkham aus Laos verlässt am Abend des 23. Juli 2024 seine Gemeinde und erledigt noch einige Arbeiten im Garten, als plötzlich zwei vermummte Männer in seinem Hinterhof auftauchen. Sie ziehen ihre Waffen und schießen siebenmal auf ihn – vor den Augen seiner Frau. Anschließend fliehen die Mörder. Thongkham stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus – in den Armen seiner Frau Sengdara.
Vor zwei Jahren haben wir unmittelbar nach der Ermordung über diesen tragischen Fall berichtet. Heute blicken wir auf Thongkhams Leben und Dienst und erzählen, wie es seiner Frau zwei Jahre später geht.
Ein Leben im Dienst Gottes
Thongkhams Glauben war von Anfang an angefochten. Kurz nach seiner Bekehrung reiste er 2001 nach Thailand, um ein Bibelseminar zu besuchen. Begeistert brachte er christliches Infomaterial mit nach Laos, um es unter Gläubigen zu verteilen. Doch kurz nach seiner Ankunft wurde er von den laotischen Soldaten verhaftet. Der Vorwurf: Er wolle die Menschen vom traditionellen animistischen Glauben abbringen. Drei Monate verbrachte er im Gefängnis. Doch für ihn war das nur eine Vorbereitung auf seinen Dienst: Selbst dort verkündigte er seinen Mitgefangenen die frohe Botschaft von Jesus Christus.
Wie alles begann
Thongkham gehörte zum Volk der Khmu. Wie alle seine Vorfahren wuchs er mit Ahnenkult und animistischen Traditionen auf. Als er mit 18 Jahren schwer erkrankte, schickte ihn sein christlicher Onkel zu Onkel Boun, einem bekannten Christen, der damals bereits drei Jahre im Gefängnis saß. Seine Frau führte seinen Dienst treu weiter.
Sie zeigte Thongkham den JESUS-Film. Die Botschaft weckte in ihm einen großen Hunger nach dem Wort Gottes und veränderte sein Leben grundlegend. Gemeinsam mit Bouns Tochter Sengdara besuchte er eine Bibelschule. Die beiden verliebten sich und heirateten 2008 – der Beginn ihrer Ehe und ihres gemeinsamen Dienstes. So übernahmen sie die Arbeit von Onkel Boun im Reich Gottes, der insgesamt 13 Jahre im Gefängnis verbrachte.
Mit großem Einsatz und viel Herzblut gründeten Thongkham und Sengdara in zwei Jahrzehnten mehr als 90 Gemeinden. Viele Pastoren, die diese Gemeinden leiteten, wurden von Thongkham selbst ausgebildet. Zusammen gründeten sie auch eine Art Untergrund-Bibelschule, in der sie vor allem neu bekehrte Christen in Jüngerschaftskursen unterrichteten. Zudem nahm Thongkham stundenlange Reisen auf sich, um den Menschen in abgelegenen Dörfern das Evangelium zu bringen und die bereits bestehenden Gemeinden im Glauben zu stärken.
„Die Botschaft weckte in ihm einen großen Hunger nach dem Wort Gottes und veränderte sein Leben grundlegend.“
Dienst unter verfolgten Christen
Immer wieder wurden Thongkham und Sengdara von den kommunistischen Behörden verhört und unter Druck gesetzt, ihren Dienst einzustellen und ihrem Glauben an Jesus abzuschwören. Doch die beiden blieben standhaft. Besonders dienten sie unter den Volksgruppen der Khmu und der Hmong. Viele von ihnen hatten ihre Familien, Häuser oder ihre Arbeit verloren. Sie standen ihnen zur Seite, trösteten sie und stärkten sie im Glauben. Gleichzeitig schulte Thongkham Pastoren und Gemeindeleiter für den Umgang mit Verfolgung.
In seinen Seminaren lehrte er, dass Verfolgung zur Nachfolge Jesu gehört, und ermutigte seine Schüler, trotz Bedrängnis an Jesus festzuhalten. Menschen, die ihrem Glauben an Jesus unter Druck und Verfolgung abgesagt hatten, führte er zurück in die Gemeinde. Thongkham und Sengdara nahmen mehrere Kinder bei sich zu Hause auf, die wegen ihres Glaubens an Jesus von ihren Familien verstoßen worden waren.
Im Visier der Behörden
Die Polizei und die Behörden behielten Thongkham im Auge. Eine Woche vor seiner Ermordung erhielt Thongkham schließlich eine deutliche Warnung. Ein Ladenbesitzer und Dorfvorsteher berichtete ihm, die Polizei wolle ihn wegen seines Einflusses töten. Daraufhin antwortete Thongkham: „Wenn es Gottes Wille ist – ich bin bereit zu sterben. Jeder Mensch auf dieser Welt muss einmal sterben. Und ich werde auch sterben. Ob ich dadurch Gott die Ehre gebe oder nicht, liegt an mir. Ich habe keine Angst. Alles, was ich tue, tue ich für Gott“.
Am Morgen des 23. Juli 2024 trafen sich Thongkham und Sengdara mit einem Gemeindemitglied wegen Bauarbeiten an ihrem Gemeindehaus, um für die Arbeiten und die bevorstehende Einweihung zu beten. Als sie nach Hause kamen, hatte Sengdara ein ungutes Gefühl: Das Tor stand offen, und die Hunde waren still – später wurden sie tot aufgefunden. Kurz darauf stürmten zwei vermummte Männer den Hinterhof, in dem sich Thongkham befand. Noch bevor Sengdara ihren Mann warnen konnte, eröffneten sie das Feuer. Vor den Augen von Sengdara schossen sie siebenmal auf Thongkham und machten sich danach aus dem Staub. Noch unter Schock brachten Sengdara und ihr Sohn Thongkham sofort ins Krankenhaus, doch er erlag noch auf dem Weg dorthin seinen Verletzungen – in den Armen von Sengdara. Gemeindemitglieder eilten ins Krankenhaus, um der Familie beizustehen. Doch die Polizei nahm mehrere Christen fest und verhörte sie. Die Ermordung Thongkhams wurde nie aufgeklärt.
Durch den Schmerz hindurchsehen
Sengdara und ihre beiden Kinder, Fah und Max, leiden bis heute unter dem Verlust ihres Mannes und Vaters. Der Schmerz sitzt tief. Die Trauer ist groß. Unmittelbar nach der Ermordung wurden sie von Gemeindemitgliedern an einen sicheren Ort gebracht, die Pflegekinder kamen bei anderen Familien unter. Doch der Dienst, den die Täter zum Schweigen bringen wollten, ist nicht beendet. Sechs Monate später wurde der Anbau am Gemeindehaus fertiggestellt. Dort soll künftig ein zweijähriges Ausbildungsprogramm für neue Gemeindeleiter stattfinden.
Sengdara, die im letzten Jahr auch ihren Vater Boun verloren hat, ist entschlossen, die Arbeit weiterzuführen, die der Herr ihrem Mann Thongkham anvertraut hat: Sie besucht die Gemeinden, organisiert Seminare und stärkt die verfolgten Christen.
„Es wird langsam etwas besser mit dem Schmerz in meinem Herzen. Die Menschen verstehen inzwischen auch besser, was Verfolgung bedeutet. Es ermutigt mich sehr, wenn ich die Geschwister besuche. Sie reden mit mir über Thongkham, kommen zu mir und weinen mit mir. Ich bin dankbar für ihre Liebe und Anteilnahme. Dadurch lerne ich selbst immer mehr, wie wichtig es ist, anderen Menschen bewusst mit Liebe und Fürsorge zu begegnen“, sagt Sengdara.
Thongkhams Vermächtnis prägt sie bis heute: „Ich möchte weiterführen, was Thongkham begonnen hat, und dort ernten, wo er gesät hat. Warum sollte ich mich von unseren Brüdern und Schwestern zurückziehen, wenn ich doch sehe, welche Frucht Gott in ihrem Leben wachsen lässt?“
Ein Brunnen der Hoffnung
Sengdara erlebt, wie tief der Schmerz über den Verlust ihres Mannes sein kann. Gleichzeitig erfährt sie, wie Gott sie durch die Anteilnahme ihrer Glaubensgeschwister tröstet. Dieser Trost befähigt sie heute, selbst anderen verfolgten Christen in ihrem Leid beizustehen und sie zu ermutigen. So wird in ihrem Leben sichtbar, was der Apostel Paulus in 2. Korinther 1,3-4 schreibt: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott“.
Bitte beten Sie
für die Christen in Laos, dass sie durch Verfolgung nicht entmutigt werden, sondern Jesus treu bleiben. Beten Sie auch für Sengdara und ihre Kinder, dass sie innere Heilung erfahren.